Gebäudeschadstoffe

Es gibt über 100.000 verschiedene chemische Einzelstoffe und mehr als 12 Millionen publizierte chemische Verbindungen. Davon sind erst 4000 arbeitsmedizinisch untersucht, und für nur 420 sind Grenzwerte für den Arbeitsplatz festgelegt worden.
Für den häuslichen Bereich gibt es gar keine offiziellen Grenzwerte oder anderweitige Empfehlungen, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Über Wechselwirkungen verschiedener Stoffe ist nahezu nichts bekannt.
Noch weniger wissen wir über das Zusammenwirken aller bekannten Umweltstressfaktoren auf uns Menschen und die gesamte belebte Natur.

Von der Nahrung über Körper- und Haushaltspflegemittel, in Möbeln, Dekorationsprodukten und Baustoffen (synthetische Dämmstoffe, kunststoffbeschichtete Tapeten, Kleber, Folien etc.) findet sich heute eine große Anzahl von Stoffen, chem. u. synthetischen Zutaten aus der Retortenchemie.

Lösemittel Lösemittel VOC (Volatile Organic Combounds), FOV (Flüchtige Organische Verbindungen). An erster Stelle Lösemittel und Formaldehyd.
Sie kommen gasförmig in der Raumluft vor und werden durch Lüftung schnell an die Außenluft abgegeben.
Als Bewertung wird i.d.R. die Summenkonzentration aller Lösemittel (TVOC) betrachtet.
Es handelt sich meist um Stoffgemische wie aromatische Lösemittel, aliphatische, cyclische und olefinische Kohlenwasserstoffe, chlorierte Verbindungen, Alkohole, Aldehyde, Ketone, Glycolverbindungen, Siloxane, Terpene, Amide, Amine, Isocyanate, Perchlorethylen, Styrol, Toluol, Trichlorethylen, Vinylchlorid, Xylol...
Quantitative und qualitative Analyse über Luftprobe.
  Weichmacher Weichmacher Die bekanntesten und häufigsten Vertreter sind:
DEHP = (Diethylhexylphthalat), BBP = (Benzylbutylphthalat)
DEP = (Diethylphthalat), DBP = (Dibutylphthalat)
DMP = (Dimethylphthalat), DNP = (Dinonylphthalat),

Weit verbreitete Verwendung seit ca. 40 Jahren.
Die weltweite jährliche Weichmacherproduktion liegt bei einigen Millionen Tonnen. 80% davon gehen in die PVC-Produktion. Der Weichmacheranteil von Kunststoffprodukten kann bis zu 70% betragen und da auch bevorzugt ausdiffundieren. Weichmacher verteilen sich über den Staub und belasten die Atemluft.
Das Gesundheitsrisiko ist trotz großer Einsatzbreite noch wenig erforscht, sie sind nahezu überall in Innenräumen zu finden. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen auf verschiedene biologische Gefahren bis zum Krebsrisiko hin. Das Krebspotential von DEHP gilt nach Tierversuchen als gesichert. Die US-Umweltbehörde EPA stuft es als kanzerogen ein. Für andere Weichmacher besteht Krebsverdacht.
  Flammschutzmittel Flammschutzmittel Chlor und Bromverbindungen.
Diese Stoffe kontaminieren bevorzugt Hausstaub und Textilien und sind auch noch nach Jahren im Raum nachweisbar. Es handelt sich um Stoffe die insbesondere Holz und Holzwerkstoffe, Kunststoffe, Schäume und Textilien schwer entflammbar machen sollen.
Zu den wichtigsten Flammschutzmittel gehören:
Anorganische Verbindungen (z.B. Antimonoxyd, Zinkborate) Halogenierte organische Verbindungen (z.B. Chlorparaffine, Hexabrombenzol, bromierte Verbindungen) Organische Phosphor-Verbindungen (z.B. Phosphate, überwiegend mit Weichmacher-Wirkung) Chlorierte organische Phosphor-Verbindungen (z.B. TECP= Tris (2-dichloroethyl)-phosphat).
Flammschutzmittel auf Phosphorbasis gehören zu einer Verbindungsklasse, die als typische Nervengifte bekannt sind. Ihnen wird auch mutagene (erbgutverändernde) Wirkung zugeschrieben.
  etc. sorgen in dampfdicht verpackten Häusern mit dichten Fenstern, die unsere Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert, für dicke Luft in Innenräumen. Stoffe werden eingeatmet, über die Haut aufgenommen oder verschluckt, da sie sich an Hausstaub anlagern.

Gefahren werden in der Wohnung oft an der falschen Stelle vermutet. Abgase von Autos und Industrie werden am häufigsten genannt, was nur in Ausnahmefällen eine Rolle spielt. Die Wärmeschutzverordnung fordert für Wohnungen und Häuser in Deutschland eine dichte Gebäudehülle, so dass Gefahren durch Schadstoffe und Schimmel eher innerhalb der Räume vorkommen.
Dieser Energiesparzwang verursacht zudem noch ein CO2- Problem; Kohlendioxyd - wir atmen es aus - ist eigentlich ein winziger Anteil unseres Luftgemischs, aber hochgiftig. Ein Anstieg auf nur 0,1% Volumenanteil in unserer Atemluft kann zu gesundheitlichen Problemen führen, besonders bei Langzeitexposition.

Baubiologische Richtwerte SBM-2015
für Schlaf-u. Ruhebereiche
Wohngifte, Schadstoffe, Raumklima
Formaldehyd und andere gasförmige Schadstoffe
Formaldehyd
in Mikrogramm
pro Kubikmeter
µg /m³ unauffällig
<20
schwach auffällig
20-50
stark auffällig
50-100
extrem auffällig
>100
MAK: 370 µg/m³; BGA: 120 µg/m³; WHO: 100 µg/m³; Katalyse: 50 µg/m³; AGÖF Orientierungswert: 30µg/m³; VDI: 25 µg/m³; Schleimhaut-und Augenreizung: 50 µg/m³; Geruchswahrnehmung: ~50  µg/m³; Lebensgefahr: 30.000 µg/m³; Natur: <2 µg/m³; Umrechnung: 100 µg/m³ = 0.083 ppm
Lösemittel und andere leicht bis mittelflüchtige Schadstoffe
VOC in Mikrogramm
pro Kubikmeter
µg /m³ unauffällig
<100
schwach auffällig
100-300
stark auffällig
300-1000
extrem auffällig
>1000
Werte gelten für die Summe flüchtigen Verbindungen (TVOC) in der Raumluft.
Allergisierende, reizende oder geruchsintensive Einzelstoffe bzw. Stoffgruppen sind kritischer zu bewerten, das gilt speziell auch für besonders gefährliche bzw. krebserzeugende Luftschadstoffe z.B. Benzole, Naphtaline, Kresole, Styrol... Für Einzelbewertungen siehe 'AGÖF-Orientierungswerte für flüchtige organische Verbindungen in der Raumluft' (2013).
Umweltbundesamt: 300 µg/m³, Seifert BGA Zielwert: 200-300 µg/m³, Mohalve: 200 µg/m³, AGÖF Normalwert a)Summe: 360µg/m³, b)Einzelstoffe (Beispiele)Azetaldehyd 20 µg/m³, Aceton 42 µg/m³, Benzol 1 µg/m³, Etylbenzol 1 µg/m², Naphtalin <1 µg/m³, Phenol <1 µg/m³, Styrol 1 µg/m³, Tuluol 7 µg/m³, m,p-Xylol 3 µg/m³, Alpha-Pinen 8 µg/m³, delta-3-Caren 1 µg/m³, Limonen 4µg/m³, Natur: <10 µg/m³.
Für die Einschätzung geruchsintensiver Substanzen siehe AGÖF-Leitfaden 'Gerüche in Innenräumen' (2013)
PESTIZIDE und andere schwerflüchtige Schadstoffe
Pestizide Luft ng /m³ unauffällig
<5
schwach auffällig
5-25
stark auffällig
25-100
extrem auffällig
>100
wie PCP, Lindan, Permethrin, Chlorpyrifos, DDT, Dichlofluanid Holz Material mg /kg <1 5-10 10-100 >100
Staub mg /kg <0,2 0,2-1 1-10 >10
Material mit Hautkontakt mg /kg <0,5 0,5-2 2-10 >10
Flammschutz-mittel chloriert Staub mg /kg <0,5 0,5-2 2-10 >10
halogenfrei Staub mg /kg <0,5 0,5-50 50-200 >200
Weichmacher Staub mg /kg <100 100-250 250-1000 >1000
PCB Summenwert nach LAGA Staub mg /kg <0,5 0,5-2 2-5 >5
PAK Summenwert nach EPA Staub mg /kg <0,5 0,5-2 2-20 >20
Werte in Nanogramm pro Kubikmeter Luft bzw. Milligramm pro Kilogramm Material, Holz, Staub.
Hausstaubwerte gelten in aller Regel für Sekundärkontamination, nicht für Pimärkontaminationen (also nicht für direkt abgesaugte, behandelte Flächen und Materialien.
PCP-Verbotsordnung Material: 5 mg/kg, PCP-Richtlinie: Luft 1000 ng/m³, Zielwert: 100 ng/m³, ARGE-Bau: Luft 100 ng/m³, Staub 1mg/kg, PCB-Richtlinie Ziel: 300 ng/m³, PCB-Sanierungsziel: NRW: 10 ng/m³, akute Gesundheitsgefahr: 3000 ng/kg, Sonderentsorgung: 50 mg/kg, AGÖF Normalwert Staub: (Beispiele)PCP 0,3 mg/kg, Lindan 0,1 mg/kg, Permethrin 0,5 mg/kg, Chlorpyrifos 0,1 mg/kg, DDT/DDD/DDE <0,1 mg/kg, Dichlofluanid 0,1 mg/kg, Tolylfluanid < 0,1 mg/kg, TECP 0,5 mg/kg, PAK Benzo (a)-pyren <0,2 mg/kg, DEHP 400 mg/kg.
Als weitere Bewertungshilfe siehe 'AGÖF-Orientierungswerte für mittel- und schwerflüchtige stoffe im Hausstaub' (2004), zurzeit in Überarbeitung.
Partikel und Fasern (Feinstaub, Nanopartikel, Asbest, Mineralfasern...)
Die Partikel-, Faser- bzw. Staubkonzentration sollte in Räumen unter dem allgemein unbelasteten Hintergrund im Freien liegen. Asbest sollte in der Raumluft, auf Flächen, im Staub gar nicht oder nur minimal nachweisbar sein.
Ehemalige baubiologische Asbest-Luftrichtwerte SBM 2000: < 100 keine, 100-200 schwache, 200-500 starke, > 500 extreme Anomalie.
Asbestfasern Luft - BGA: 500-1000/m³, TRGS-Zielwert: 500/m³, EU: 400/m³, WHO: 200/m², Außenluft 50-150/m³, Reinluftgebiete: 20/m³, Partikel Luft - (Jahresmittel) BImSchV: 40 µg/m³, EU: 50 µg/m³ (<10 µm), 25 µg/m³ (< 2,5 µm), EPA: 25 µg/m³ (<2,5 µm), VDI: 75 µg/m³, Zugspitze: 5-10 µg/m³, Land: 20-30 µg/m³, Stadt: 30-100 µg(m³, Raum mit Zigarettenqualm: > 1000 µg/m³, Smog-Alarm Stufe 1: 800 µg/m³
Raumklima(Temperatur, Feuchte, Kohlendioxid, Luftionen, Gerüche)
relative Luftfeuchte in Prozent (%) r.F. unauffällig
40-60
schwach auffällig
<40/>60
stark auffällig
<60/>30
extrem auffällig
<20/>80
Kohlendioxyd (CO2) in parts per million ppm <600 600-1000 1000-1500 >1500
MAK-Grenzwert: 5000 ppm, DIN: 1500 ppm, Umweltbundesamt: 1000 ppm, USA (Arbeitsplätze/Schulräume): 1000 ppm, ungelüftetes Schlafzimmer nach einer Nacht bzw. Klassenzimmer nach einer Schulstunde: 2000-4000 ppm, Natur 2015: 400 ppm, 1985: 330 ppm, jährlicher Anstieg: 1-2 ppm
Kleinionen pro Kubik-zentimeter Luft /cm³ <500 200-500 100-200 >100
Achtung: Hohe Luftionenwerte in Innenräumen können auf Radon hinweisen.
Am Meer: 2000/cm³, Reinluftgebiete: ~1000/cm³, Land: <800/m³, Stadt: <700/cm³, Industriegebiete/Straßenverkehr: <500/m³, Raum mit Elektrostatik: <300/cm³, Raum mit Zigarettenqualm: <200/m³, Smog: <50/cm³; stete Luftionenabnahme in den letzten Jahr(zehnt)en
Luftelektrizität in Volt pro Meter V/m < 100 100-500 500-2000 <2000
DIN/VDE 0848: Arbeit 40.000 v/m, Natur: ~ 50-200 v/m, Föhn: ~ 1000-2000 V/m, Gewitter; ~ 5000-10.000 V/m
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Kritisch?

Lösemittel und Formaldehyd machen ernsthaft krank!

Den größten Einfluss auf Leben und Gesundheit übt die Luft aus. Täglich atmen wir ca. 19 kg. Luft, die von unseren Lungen gefiltert werden, während wir nur ca. 2kg. Wasser und weniger als 1,5 kg. Nahrung zu uns nehmen.
Darüber sollte man nachdenken!


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